Wichtige Kriterien für die Mais-Sortenwahl aus Sicht der Fütterung


Allgemein

In der Deutschen Sortenliste sind aktuell 265 Maissorten eingetragen.
Seit 1990 ist die Anzahl der jährlichen Neuzulassungen Mais in Deutschland nahezu kontinuierlich angestiegen (siehe Grafik).
 

 
 

Hinzu kommen noch zahlreiche Maissorten, die die Zulassung in einem anderen EU-Mitgliedsland haben und somit ebenfalls in Deutschland vertrieben werden dürfen.

Im Jahr 2007 wurden in Deutschland 542 Maissorten gehandelt (Kleffmann Marktforschung, 2007).

Die Vielzahl der Mais-Sortenzulassungen spiegelt die enormen Züchtungaktivitäten der beteiligten Unternehmen und den damit einhergehenden Züchtungsvorsprung wieder. Diesen Züchtungsfortschritt gilt es für die Praxis zu nutzen!

Aufgrund dieser Sortenvielfalt ist die richtige Sortenwahl für den Praktiker jedoch nicht leicht!

Um vom Züchtungsfortschritt zu profitieren, ist es umso entscheidender als Anbauer die richtigen Merkmale für die Sortenwahl heranzuziehen. Denn mit der „richtigen Sorte" wird der Grundstein für einen erfolgreichen Maisanbau gelegt!

Für den Silomaisanbau sind als Erstes die Merkmale Energieertrag je Hektar (MJ NEL/ha oder ME/ha) und Stärkeertrag je Hektar (dt Stärke/ha) zu nennen.
Der Energieertrag ergibt sich dabei aus dem Trockenmasseertrag je Hektar multipliziert mit der Energiedichte je kg Trockenmasse. Energie- und Stärkeertrag sind die Kennzahlen für die absolute Ertragsleistung einer Silomaissorte.
Neben der absoluten Ertragsleistung spielen die Futterwert-Qualitätsparameter eine entscheidende Rolle. Dazu zählen vor allem die Energiedichte (MJ NEL oder MJ ME / kg TM) und der Stärkegehalt (% Stärke i. d. TM), aber auch die Verdaulichkeit der Restpflanze.
Der Stärkegehalt des Erntegutes wird beeinflusst vom Verhältnis des Kornanteils zur Restpflanze. Die Maisstärke befindet sich ausschließlich im Korn! Daher wird der Stärkegehalt neben dem Sortentyp (kolben- oder restpflanzenbetont) auch durch die Häckselhöhe (Stoppellänge) beeinflusst. Mit größerer Stoppellänge verschiebt sich das Verhältnis Kornanteil zu Restpflanze und der Stärkegehalt (% Stärke i. d. TM) steigt. Andererseits sinken bei steigender Häckselhöhe der Trockenmasse- und Energieertrag/ha.
Es kommt also darauf an, für den Betrieb die bestmögliche Kombination aus absolutem Ertrag einerseits und bester Futterqualität andererseits zu erzielen.

 

Bei einem Einsatz hoher Anteile von Grassilage in der Ration (≥ 60 %) sollte die zugefütterte Maissilage möglichst hohe Stärkegehalte (≥ 34 % Stärke i. d. TM) und hohe Energiedichten (≥ 6,4 MJ NEL/kg TM) aufweisen. Damit lässt sich der Kraftfuttereinsatz reduzieren.
Bei der Sortenwahl gilt es zu beachten, dass hohe Stärkegehalte vorrangig durch eine starke Kornleistung der Sorte erzielt werden (Stärkeertrag)!
Nachteile sind dagegen vorprogrammiert, wenn überdurchschnittliche Stärkegehalte nicht durch eine hohe Kornleistung erreicht werden, sondern über eine vorzeitig stark abgereifte oder gar durch Stängelfäule abgestorbene Restpflanze zustande kommen. In diesen Fällen weisen zwar die Futtermittelanalysen gute Stärkegehalte aus, dennoch stimmt die Leistung im Stall nicht, da der Futterwert der Restpflanze dramatisch zurückgegangen ist.

Daher gilt: gewünscht ist eine hohe Kornleistung der Sorte (dt Stärke/ha) kombiniert mit einer gesunden Restpflanze!

Betriebe mit überwiegendem Einsatz von Maissilage in der Ration (≥ 60 % TM Maisanteil) sollten sich bei der Sortenwahl vorrangig an Sorten mit hoher absoluter Ertragsleistung (Trockenmasse- und Energieertrag/ha) orientieren.
Dies gilt besonders bei knapper Futterfläche.
Höchste Stärkegehalte in der Silage sind in diesem Fall nicht vorrangig, da in der Gesamtration viel
(Mais-) Stärke enthalten ist. Zu hohe Anteile Maisstärke in der Ration bergen die Gefahr eines Mangels an pansenverfügbarer Energie einerseits und können andererseits die Aufnahmekapazität an „pansenstabiler Stärke" im Dünndarm überfordern. Ein zu hohes Stärkeangebot im Dünndarm kann somit zu Energieverlusten führen.

Unabhängig von der Kolbenleistung einer Sorte spielt der Futterwert ihrer Restpflanze ebenfalls eine große Rolle. Auch bei kolbenbetonten Sorten und/oder Hochschnitt, beträgt der Anteil der Restpflanze (Stängel, Blätter und Lieschen) an der Silage immerhin ca. 40 - 60 % i.d. TM!
Die in ihr gebundenen Inhaltsstoffe (überwiegend Kohlenhydrate, Fette und Proteine) sind für die Kuh weitgehend verfügbar.
Anders sieht es mit den Zellwänden aus. Sie bestehen überwiegend aus Hemicellulosen, Cellulosen und Lignin. Dabei gilt das Lignin als nahezu unverdaulich und hat daher keinen Energiewert für den Wiederkäuer.
Hemicellulosen und Cellulosen sind dagegen wichtige Energieträger. Sie besitzen weiterhin Strukturwirkung und wirken damit positiv auf die Pansenaktivität.
Es kommt also auf eine gute Zellwandverdaulichkeit an, um diese Inhaltsstoffe für das Tier nutzbar zu machen!
Sorten mit guter Zellwandverdaulichkeit sind daher zu bevorzugen!