Biogas-Produktionskosten werden nicht drastisch sinken


BERLIN. Ein Einspeisegesetz für Biogas hätte für die Strom- und Gaskunden in Deutschland kaum Mehrkosten zur Folge. Damit rechnet der Geschäftsführer des Fachverbandes Biogas (FvB), Claudius da Costa Gomez.
„Beim Gaspreis würden die Kosten im Promillebereich steigen", sagte Costa Gomez am vergangenen Donnerstag gegenüber der Presse- und Informationsdienst AGRA-EU-ROPE. Ein Erneuerbares - Gas - Einspeisegesetz (EEG) als Vorbild sieht. Kernelemente eines EGE sollen analog zum EEG klare Netzanschlussregeln für dezentrale Anlagen und eine verlässliche Vergütung sein. Ein solches Modell als Förderinstrument ist laut da Costa Gomez direkten Staatlichen Eingriffen wie beispielsweise Quotenvorgaben weit überlegen. Dabei verweist er auf den Biokraftstoffmarkt, auf dem die Hersteller in den vergangenen Jahren starken Verwerfungen ausgesetzt waren. Gleichzeitig machte der FvB - Geschäftsführer aber auch deutlich, „dass die Gaseinspeisung nicht in jedem Fall der effizienteste Weg der Biogasnutzung ist". Vielmehr biete die Vor-Ort-Verstromung in vielen Fällen den besten Nutzungspfad.

Treibhausgase als K.O.- Kriterium im Wärmemarkt
Für die Zukunft des EEG, dessen nächste Novelle laut den Vorgaben der schwarz-gelben Koalitionsvertrages zum 1. Januar 2012 in Kraft treten soll, mahnte da Costa Gomez Stabilität an, kritisierte aber gleichzeitig die Tendenz zum Detailreichtum im Gesetz. „Die Entwicklung hin zu einer zunehmenden Komplexität kann so nicht weitergehen. Es muss eine Vereinfachung geben", verlangte Costa Gomez. Er verwarf eine stärkere Öffnung des Wärmemarktes für Biogas, das derzeit nur bei Nutzung der Kraft- Wärme-Kopplung (KWK) auf die Verpflichtung zur Nutzung regenerativer Quellen im Erneuerbare- Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) angerechnet werden darf. Schon aus Sicht des Klimaschutzes mache eine solche Öffnung des EEWärmeG - geschweige denn die Ausweitung auf den Gebäudebestand - keinen Sinn, betonte Costa Gomez. Aufgrund der gegenüber anderen fossilen Energieträgern sehr gute Klimabilanz von Erdgas liege das Einsparpotenzial an Treibhausgasen (THG) bei aufbereitetem Biogas je nach Anlagen- und Einspeisekonstellation häufig nicht einmal unter der in der deutschen Nachhaltigkeitsverordnung fixierten Vorgabe von 35 %. Nach diesem Wert müsse sich aber künftig voraussichtlich auch die Biogasbranche richten. „Das THG-Argument wird für Biogas im Erdgas-Wärmemarkt in K.O.-Kriterium", warnte der FvB-Geschäftsführer. Das EEWärmeG dürfte nicht zum Instrument für die großen Energieversorger werden, ihre Absatzschwierigkeiten am Heizungsmarkt zu beheben. Vielmehr gelte es, verstärkt mit anderen erneuerbaren Energien wie Solarthermie und Holz zu heizen und die Häuser besser zu isolieren.

Bundesregierung steht im Wort
Klare Netzanschlussregeln für die Einspeisung von Biomethan werden laut da Costa Gomez schon allein deshalb benötigt, um auch kleineren Anlagen, beispielsweise mit einer Aufbereitungsleistung ab 200cbm pro Stunde, den Zugang zum Gasnetz zu ermöglichen. Für den Netzzugang solcher Anlagen kommen laut seiner Auffassung auch Niederdruckstufen im Gasnetz in frage. Etwaige Probleme mit einem Überangebot an Biogas in nachfrageschwachen Sommermonaten seien lösbar. „Wenn wir das von der Bundesregierung ausgegebene Ziel erreichen wollen, bis 2020 rund 6 Mrd cbm aufbereitetes Biogas ins Netz einzuspeisen, muss sich an den Rahmenbedingungen etwas ändern", stellt der FvB-Geschäftsführer fest. Dass der Verstoß für ein Biogaseinspeisegesetz bei den drei größten Fraktionen im Bundestag bisher nur auf verhaltene Resonanz gestoßen ist, erklärt der FvB-Geschäftsführer auch mit der aktuellen Debatte um die EEG- Vergütung für Photovoltaik. Man schaue sich nun, ein neues Fass aufzumachen.

In die Landwirtschaftliche Produktion einfügen
Damit die Biogasnutzung eine höhere Akzeptanz erreicht, müssen sich die Vergärer nach dem Dafürhalten von da Costa Gomez in die landwirtschaftliche Produktion einpassen. Dies sei für Großanlagen schwieriger, die in der „Fütterung" nicht so flexibel seien wie landwirtschaftliche Anlagen, wo die Betreiber zum Teil je nach Markt- und Witterungslage über die Substratmischung entscheiden. Kritisch äußerte sich der Geschäftsführer des Fachverbandes zu Bestrebungen, etwa über eine verstärkte EEG- Vergütung für die Grasvergärung einkommensstabilisierende Effekte in Grünlandregionen zu bewirken. „Das EEG ist dazu da, die Weichen für die Energieversorgung der Zukunft richtig zu stellen und nicht um Agrar-
Strukturpolitik zu betreiben", stellte der FvB-Geschäftsführer klar. Einzelne EEG- Regelungen seien diesbezüglich sicher im Grenzbereich, so zum Beispiel der Güllebonus. Der Fachverband hatte beim Güllebonus einen anderen Ansatz verfolgt, als im letztendlich verabschiedeten Modell mit einem Aufschlag von 4cent/kWh zum Ausdruck kommt. Nach FvB-Plänen sollte der Güllebonus Teil der EEG-Grundvergütung und damit unabhängig von den Input- Stoffen der Biogasanlage werden. Damit hätten Kleinanlagen generell eine stärkere Förderung erfahren. Kritisch äußerte sich da Costa Gomez zum Landschaftspflegebonus. Die verstärkte Vergärung von Reststoffen, wie eigentlich beabsichtigt, werde mit diesem Bonus nicht stimuliert.

Untersaaten und Zwischenfrüchte statt einer Lex Mais
Nicht missen will der Biogas-Geschäftsführer den Mais im Energiemix der Zukunft. „ Aufgrund von Fehlern, die in der Vergangenheit gemacht wurden- Stickstoffüberdüngung und hohe Güllegaben - ist der Mais heute in der Umweltszene stigmatisiert und wird verteufelt". Dies geschehe aber zu Unrecht, denn der Mais sei als C4-Pflanze hocheffizient in seiner Photosyntheseleistung. Um Herausforderungen im Umweltschutz wie Erosionsgefahr zu begegnen, sieht da Costa Gomes in der Nutzung von Untersaaten und Zwischenfrüchten ein gutes Mittel für den Maisanbau. Er wandte sich aufgrund solcher Möglichkeiten gegen Beschränkungen für den Mais im EEG. Mit Blick auf die schon in zwei Jahren geplante nächste EEG-Novelle warnte er vor einer erneuten Verunsicherung der Branche, wie sie 2007 und 2008 um sich gegriffen habe. Stocke der Markt schon im nächsten Jahr wieder, werde es für die Herstellung schwierig.

Keine gemeinsamen Projekte mit dem Biogasrat geplant
Die Stärken des Fachverbandes sieht der Geschäftsführer nicht zuletzt in der Größe und Vielseitigkeit des FvB. Da Costa Gomez: „Als großer Verband mit rund 3 700 Mitgliedern decken wir die gesamte Sparte vom Hersteller bis zum Anlagenbetreiber ab und müssen daher viele Meinungen unter einen Hut bringen. Uns geht es darum, je nach Standort alle Anlagentypen zu bedienen." Deshalb habe der Fachverband Schwierigkeiten damit, sich vorrangig nur um eine Anlagenkonstellation zu kümmern. Der im Herbst letzten Jahres entstandene Biogasrat hingegen sei die Vertretung von etwa 30 Mitgliedern, von denen ein teil sehr eng geschäftlich bei der Realisierung von Projekten zusammenarbeite. Hinzu kämen drei der vier großen Energieversorger. „Gemeinsam ist uns das Interesse, die Biogasnutzung voranzubringen und langfristiges Marktwachstum zu fördern", stellte Costa Gomez fest. Gemeinsame Projekte mit dem Biogasrat seien aber aufgrund der stark auf die Einzelinteressen seiner von der fossilen Energiebranche geprägten Mitglieder ausgerichteten Arbeit derzeit nicht geplant. AgE