In Deutschland mehr als 5000 Biogasanlagen


BERLIN. Die in Deutschland installierten Biogasanlagen sind im vergangenen Jahr sprunghaft gestiegen. Der Fachverband Biogas (FvB) geht in einer aktuellen Schätzung davon aus, dass es auf deutschen Bauernhöfen weitaus über 5000 Vergärer mit einer installierten Leistung von über 2000 Megawatt (MW) gibt. Demzufolge sind letztes Jahr mehr als 1000 neue Anlagen ans Netz gegangen und die Gesamtzahl stieg auf knapp 5000 Stück. Die installierte Leistung erhöhte sich binnen Jahresfrist um mehr als 500 MW auf knapp 1900 MW. Deutschlandweit rechnet der FvB bis Ende dieses Jahres mit einem Bestand von 5700 Biogasanlagen, die es auf eine Kapazität von 2200 MW bringen sollen. Die durchschnittliche Größe der errichteten Anlagen für 2009 liegt bei knapp 500 KW, in 2010 sollen es lediglich 430 KW sein. Ein verstärkter Zubau von Vergärern könnte hiermit zu tun haben, da diese viel Gülle einsetzen, um den entsprechenden Aufschlag in Höhe von 4 Cent /kWh als Bonus für nachwachsende Rohstoffe (Nawaro- Bonus) zu erhalten. Um die Nutzung von Abfallstoffen voranzutreiben, ist dieser Güllebonus Anfang 2009 in die in Kraft getretene Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) aufgenommen worden. Normalerweise wird allerdings viel Mais in den Gülleanlagen benötigt, was auch an den Entscheidungen der Ackerbauern in diesem Jahr deutlich wird. Laut Erhebung über die Frühjahrsaussaaten ist die Silomaisfläche in Deutschland in diesem Jahr um rund 12 % auf 1,86 Mio. ha ausgedehnt worden (AGRA- EUROPE 21/10, Markt + Meinung 3). Für den Biogasboom seit der letzten EEG-Novelle dürfte die Flächenausweitung eine Rolle gespielt haben.

Großanlagen veredeln Koppelprodukte
Auch die Biogasproduktion im industriellen Maßstab, neben der in kleineren Gülleanlagen, hat seit der EEG-Novelle an Bedeutung gewonnen. Anfang Juni begann die Nawaro Bioenergie AG in Güstrow die Einspeisung von aufbereitetem Biogas. Die Investitionen in den Standort - in 20 Fermentern wird auf einer Fläche von 20 ha Biogas erzeugt - belaufen sich laut Firmenangaben auf rund 100 Mio. Euro. Die Anlagenkapazität in Deutschland ist allein durch den Biogaspark in Güstrow, umgerechnet in elektrische Energie, um rund 20 MW gestiegen. Eine Biogasanlage auf Schlempebasis, die der Bioethanol- und Biodieselhersteller Verbio diese Woche in Zörbig in Betrieb nimmt, ist noch größer. Bei dieser Anlage beträgt die Kapazität 30 MW und soll bis 2012 sogar auf 125 MW steigen. Am zweiten Bioethanolstandort von Verbio, in Schwedt, steht eine baugleiche Anlage, die ebenfalls bald in Betrieb genommen werden soll. An die Biogaserzeugung aus den Reststoffen der Alkoholproduktion angeschlossen ist in Zörbig eine Düngemittelanlage, bei der aus Abfallstoffen Stickstoffdünger entsteht. Die Einspeisung von Biogas ins Erdgasnetz ist, trotz solcher Großprojekte, bisher allerdings hinter den Erwartungen zurückgeblieben, die die Politik an die Branche gestellt hat. Sollten sich die politischen Rahmenbedingungen für die Biogaseinspeisung nicht verbessern, warnen Fachleute aus der Wirtschaft vor einem Fadenriss.

Anlagenbauer noch in den roten Zahlen
Obwohl der Markt boomt, ist es einigen namhaften Anlagebauern bisher nicht gelungen schwarze Zahlen zu schreiben. Die Biogas Nord AG, bei der vor rund einem Jahr polnische Investoren massiv einstiegen, gab am vergangenen Mittwoch für 2009 einen Verlust von knapp 1 Mio. Euro an, nach einem Fehlbetrag von rund 8,6 Mio. Euro im Jahr zuvor. Der Umsatz konnte zeitgleich auf 37,15 Mio. Euro verdreifacht werden. Aus den roten Zahlen noch nicht herausgekommen ist auch die EnviTec Biogas, die für die Nawaro Bioenergie in Güstrow die Großanlage baute. Im ersten Quartal 2010 hatte das Unternehmen aus Lohne einen Vorsteuerverlust von 0,9 Mio. Euro, nach einem Minus von 2,6 Mio. Euro im entsprechenden Vorjahreszeitraum, wie es Ende Mai berichtete. Der Biokraftstoffhersteller Verbio hat sich entschieden, auf die eigenen Anlagenbauer zu bauen und hat die Biogasproduktion in Zörbig und Schwedt selbst entwickelt.