Silomaisernte beginnt bundesweit nur zögerlich


Nach den ausgesprochen kalten Monaten Mai und Juni sowie dem sehr trockenen und heißen Juli dieses Jahres, an den sich dann die vergleichsweise sehr niederschlagsreichen Monate August und September anschlossen, lässt die Abreife der Maisbestände bundesweit zu wünschen übrig.

Der Reiferückstand beträgt gegenüber dem Vorjahr ca. 2 bis 3 Wochen.

Dem entsprechend wurde mit der Silomaisernte bisher nur recht vereinzelt und regional begonnen.

Für die Silierung optimale Trockensubstanzgehalte (TS-Gehalte) von 32-35 % in der Frischmasse der Gesamtpflanze, werden bislang kaum erreicht.

Durch die Trockenheit im Juli nicht oder kaum beeinträchtigte Bestände mit gutem Kolbenansatz, deren Restpflanzen noch weitgehend grün und gesund sind, lassen bei günstiger Oktoberwitterung noch weitere Ertrags- und Qualitätszuwächse (Stärke) erwarten. Bei einer zu frühen Beerntung solcher Bestände würde auf Qualität und Ertrag verzichtet! Hier heißt es jetzt: „Ruhe bewahren".

Dem gegenüber sind stark von der Trockenheit gezeichnete Maisbestände, in denen in den vergangenen Wochen vermehrt der Beulenbrandpilz auftritt, ggf. vorzeitig zu häckseln.

Die Brandbeulen des Pilzes treten sowohl an den Stängeln wie auch vermehrt besonders an den Kolben der Maispflanzen auf.

Diese Bestände werden schwerlich die optimalen Trockensubstanzgehalte erzielen und ein Hinauszögern der Beerntung fördert die weitere Ausbreitung des Beulenbrandes. Der Pilz verzehrt dabei wertvolle Kohlenhydrate aus der Pflanze. Geringere Energiedichten der Silage sind die Folge. Bei der Silierung solcher Bestände ist mit verstärktem Auftreten von Sickersäften zu rechnen! Die aerobe Stabilität von stark mit Beulenbrand befallenen Silagen ist ebenfalls beeinträchtigt. Um die Nacherwärmung solcher Silagen in Grenzen zu halten, ist der Einsatz entsprechender Silierhilfsmittel dringend zu empfehlen.

Bei der Beurteilung des Abreifegrades der Silomaisbestände ist der Kolbenanteil im Verhältnis zur Restpflanze zu berücksichtigen. Bei Beständen mit gutem Kolbenansatz sollte sich der Erntetermin vorrangig nach einem gut ausgereiften Kolben richten. Die Teigreife sollte sicher erreicht und die Stärkeeinlagerung abgeschlossen sein.

Zu diesem Zeitpunkt werden ca. 55-60 % Trockensubstanz im Kolben erzielt. Bei solchen Beständen mit gutem Kolbenansatz und ausgereiften Körnern, kann die Restpflanze noch vergleichsweise hohe Wassergehalte zur Ernte aufweisen. Diese Feuchtigkeit wird dann durch die vermahlenen Körner gebunden. Einen guten Hinweis auf die abgeschlossene Stärkeeinlagerung gibt der sogenannte „Black-Layer". Dieses feine schwarze Häutchen an der Spindelansatzstelle ist beim Abtrennen der Körner von der Spindel gut zu erkennen.

Als praktisches Verfahren für die Beurteilung der Kornausreife hat sich die „Fingernagelpobe" bewährt. Dabei wird mit dem Daumennagel an der Kornspitze, kurz vor der Spindelansatzstelle des Kornes hineingedrückt. Wenn dabei keine oder nur noch geringe Mengen Feuchtigkeit austreten, ist der erforderliche Ausreifungsgrad erreicht.

Anders sieht es aus bei Beständen mit geringen Kolbenanteilen, z.B. aufgrund von Trockenstress. Hier ist bei der Beurteilung des Erntetermins auch die Restpflanze stärker zu berücksichtigen. Die Restpflanze sollte bereits höhere Trockensubstanzgehalte aufweisen.

Um dies zu beurteilen empfiehlt es sich, die „Wringprobe" durchzuführen: ca. 20 cm oberhalb der Schnitthöhe wird dazu der Stängel in entgegengesetzter Richtung kräftig gedreht. Anhand der dabei austretenden Menge an Flüssigkeit, kann die Abreife der Restpflanze eingeschätzt werden. Es sollten nur noch geringe Mengen Feuchtigkeit austreten.

Mit dem Einsetzen wärmerer und sonnenscheinreicher Witterung zu Beginn dieser Woche in den meisten Teilen Deutschlands ist mit einer zügigen Abreife der Bestände und Zunahmen der Trockensubstanz von ca. 2-3 % je Woche zu rechnen.

Von einem Beginn der Silomaisernte auch in ungünstigeren Lagen (Höhenlagen, Grenzstandorte) ist daher ca. Mitte Oktober auszugehen.