Aktuelles

Die Agromais GmbH führt seit vielen Jahren Sortenversuche in ganz Deutschland durch. In diesem Versuchssystem werden an mehr als 30 Standorten die aktuellen Sorten wie auch Zulassungs-kandidaten unter den verschiedenen Umweltbedingungen geprüft. Die Versuche werden, wie Wertprüfungen beim Bundessortenamt oder auch die Landessortenversuche, als Kleinparzellenversuche mit drei Wiederholungen randomisiert angelegt. Die Ergebnisse fließen zum einen in unsere Sortenplanung ein, zum anderen stehen sie Ihnen als Kunden und unserem Außendienst frühzeitig im Jahr für die Sortenentscheidung zur Verfügung.

Das Maisjahr 2018 –  auch im Versuchswesen ein Jahr mit vielen Herausforderungen

Waren die Versuche nach der ersten Bonitur im Frühjahr 2018, in der Phase der Jugendentwicklung, noch sehr vielversprechend, wurden diese wie auch viele Praxisbestände mehr und mehr durch die Dürre beeinträchtigt und geschädigt.

Abbildung 1: Jahreszeitliche Darstellung der klimatischen Wasserbilanz im Sommer 2018 (Quelle: Deutscher Wetterdienst DWD, 2018).

Im Laufe des Frühjahrs fehlten fast überall die nötigen Niederschläge, was gerade im Norden und Osten Deutschlands, zu verkürzten Maispflanzen führte als gewohnt.  Dieses Wasserdefizit, in Kombination mit den hohen Temperaturen im sensiblen Stadium der Maisblüte führte zu Befruchtungsproblemen der Kolben bis hin zu kolbenlosen Beständen bzw. Versuchen und in Folge dessen zu geringen bis sehr geringen Stärkegehalten in den Silagen. Ein weiteres Problem, dass sich im Laufe der Vegetation zeigte war, dass Maispflanzen schon frühzeitig mit N-Mangelsymptomen zu beobachten waren, da durch die Trockenheit die nötigen Nährstoffe nicht erschlossen werden konnten, was die Pflanzen zusätzlich stresste.

Abbildung 2: Unterschiedlicher Befruchtungserfolg bzw. Einkörnung innerhalb einer Sortenparzelle.

Selbst bei Versuchen die optisch vermeintlich unbeschadet die Trockenheit überstanden hatten, weisen die Analysewerten der Inhaltsstoffe z.B. niedrigere Stärkegehalte als gewohnt auf und zeigen den Einfluss der Witterung auf die Bestände. Aus diesen Grund haben wir uns an vielen Standorten dazu entschieden die Versuche nicht beernten zu lassen, da bereits die optischen Bonituren keine aussagekräftigen Ergebnisse erwarten ließen.

Deshalb stehen in diesem Jahr regional wenige bis keine aussagekräftigen Versuchsergebnisse zur Verfügung und die vorhandenen Ergebnisse die zur Zeit bereits kursieren sollten kritisch hinterfragt werden, da eine Ergebnisinterpretation nur sehr schwer bzw. eingeschränkt möglich ist.

Dies liegt im Wesentlichen daran, dass in den Versuchen die Schwankungen zwischen den Wiederholungen der einzelnen Sorten teils massiv und auch innerhalb der Parzellen sehr inhomogene Einzelpflanzenentwicklungen zu beobachten waren die maßgeblich über Bodenunterschiede zu erklären sind.

Diese bedeutet, dass die tatsächliche Sortenleistung vom Standort- bzw. Umwelteffekt überlagert wurde und das Versuchsergebnis statistisch nicht absicherbare Ergebnisse liefert: Es entscheidet also mehr der Zufall über das Versuchsergebnis einer Sorte als die Ertragsleistung der Sorte selbst.

Abbildung 3: Unterschied in der Abreife der gleichen Sorte im Vergleich zwischen Wiederholung 1 und Wiederholung 3 beispielhaft an einem Versuchsstandort.

Grundsätzlich empfehlen wir bei der Sortenwahl möglichst auf mehrjährige bzw. mehrortige Versuchsergebnisse zurückzugreifen, da dies verlässlichere Aussagen zur Sortenleistung ermöglichen, entsprechend dem Motto aus dem Versuchswesen:

„… Ein Jahr ist kein Jahr und ein Versuch ist kein Versuch…“

 

Christoph Kohl

Leitung Produktmanagement